Allesandersplätze

Allesandersplätze

Oliver Klemm
von Oliver Klemm

Oder die Kunst, sich treiben zu lassen.

Berlin. Alexanderplatz.

Ich war schon oft hier. In den 2010er-Jahren meist geschäftlich, mittlerweile eher privat oder zu Bildungszwecken. Etwa, wenn ich die re:publica in der Stadt besuche.

Ich liebe es, mich durch Städte treiben zu lassen. Einfach morgens loslaufen. Ohne Ziel, ohne Route, ohne zu wissen, wo ich am Abend ankommen werde.

Nach ein paar Kilometern kehrt Ruhe ein. Der Kopf wird frei, die Gedanken dürfen ihre eigenen Wege gehen. Irgendwann bin ich ganz im Entdecker- und Beobachtermodus.

Ich suche nichts Bestimmtes. Und entdecke gerade deshalb so viel.

Ein Kaffee, ein Nebentisch und ein bisschen Neugier

Irgendwann meldet sich der kleine Hunger. Oder der Durst.

Meist ist mir auf dem Weg schon ein Café, eine Bäckerei oder eine Kneipe aufgefallen, für die es sich lohnt, noch einmal umzukehren. Manchmal gehe ich auch einfach weiter, bis mir etwas Neues begegnet.

Besonders gerne bin ich in den Vierteln unterwegs, in denen die klassischen Touristenrouten längst aufgehört haben.

Dann heißt es: Platz suchen. Hinsetzen. Genießen. Beobachten.

Der Blick schweift umher. Menschen kommen und gehen. Vielleicht entsteht ein Gespräch mit dem Nebentisch. Oder besser gesagt: mit den Menschen, die dort sitzen.

Und manchmal passiert etwas Merkwürdiges.

Aus einem ganz gewöhnlichen Ort wird plötzlich ein Allesandersplatz.

Alexanderplatz? Allesandersplatz!

Vielleicht kennst du diesen großen Schriftzug auf einem Hochhaus am Berliner Alexanderplatz.

Allesandersplatz


In meiner Vorstellung stand dort immer Alexanderplatz. Meist nur flüchtig vorbeischauen hochgeguckt und nie wirklich bemert. Aber auf dem Haus steht:

ALLESANDERSPLATZ

Ein kleiner Eingriff in ein vertrautes Stadtbild. Und plötzlich verändert sich die Perspektive.

Denn solche Plätze gibt es überall. Man muss nur ein wenig genauer hinschauen.

Manchmal sind es Cafés, Küchen, Gärten oder Festivals. Manchmal Initiativen, Gemeinschaften oder Menschen, die sich zusammentun, weil sie eine Idee teilen.

Menschen, die manches anders machen. Die Lust auf Gemeinschaft haben, sich gegenseitig helfen, Fragen stellen und etwas ausprobieren.

Orte, an denen man zuhört. Oder einem zugehört wird.

An denen man einfach sein darf. Ohne etwas darstellen zu müssen. Ohne Anspruch oder Verpflichtung.

Freie Kiosk Kultur


Und an denen Zukunft nicht ausschließlich als großes Problem besprochen wird, sondern im Miteinander ein kleines Stück entsteht.

Eine kleine Sammlung von Allesandersplätzen

Einige solcher Orte und Gemeinschaften sind uns auf unseren Wegen bereits begegnet. Andere haben wir durch Menschen kennengelernt, die uns inspiriert haben.

Ein paar davon möchten wir mit dir teilen:

Garden Ghent: Ein Ort, der neugierig macht auf neue Formen von Gemeinschaft und Begegnung.

Haldern Pop Festival: Musik, Menschen und eine ganz besondere Haltung zum Miteinander.

BLACK SESAME Kitchen: Unser eigener Versuch, zehn Menschen, die sich vorher nicht kannten, an einen gemeinsamen Tisch zu bringen um über Zukunft zu sprechen.

School for Moral Ambition: Eine Gemeinschaft rund um die Frage, wie wir unsere Fähigkeiten für gesellschaftliche Veränderung einsetzen können.

Ministerium für Neugier & Zukunftslust: Schon der Name öffnet eine Tür.

Gutes Morgen Festival: Menschen, Ideen und die Lust, gemeinsam über Morgen nachzudenken.

re:publica: Ein Ort für Austausch, gesellschaftliche Fragen und neue Perspektiven.

Das sind nur einige unserer Entdeckungen. Auf unserer Proviant-Seite sammeln wir weitere Allesandersplätze, Ideen und Menschen, die uns neugierig machen und Lust auf Zukunft wecken.

Vielleicht ist ja auch etwas für dich dabei.

-> Zur Proviant Seite und den Allesanderplätzen

Und dann wäre da noch Europa.

Auch Europa ist für mich ein wunderbarer Allesandersplatz. Mit unzähligen Sprachen, Lebensentwürfen, Unterschieden und Gemeinsamkeiten.

Wir können Grenzen überqueren, ohne sie manchmal überhaupt noch zu bemerken. In anderen Ländern leben, lernen und arbeiten. Ideen teilen, gemeinsam etwas bewegen. Und erleben seit Jahrzehnten, dass aus ehemaligen Gegnern Nachbarn und Partner werden können.

Vielleicht müssten wir uns das nur häufiger bewusst machen.

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Wir möchten anfangen, solche Allesandersplätze zu sammeln. Nicht als Ranking der schönsten Orte. Auch nicht als Reiseführer mit den zehn Dingen, die du unbedingt gesehen haben musst.

Sondern als Einladung, den eigenen Blick zu schärfen.

Auf Orte und Gemeinschaften, an denen Menschen aufeinandertreffen, die Lust auf ein gutes Morgen haben. Die sich austauschen, voneinander lernen und selbst etwas dafür tun möchten.

Manche davon liegen weit entfernt. Andere vielleicht zwei Straßen weiter.

Und manchmal braucht es gar keinen besonderen Ort.

Nur einen freien Stuhl am Nebentisch.

Kennst du einen Allesandersplatz?

Einen Ort, eine Initiative oder eine Gemeinschaft, die mehr Menschen entdecken sollten?

Dann erzähl uns davon.

Vielleicht entsteht daraus mit der Zeit eine ziemlich schöne Landkarte.

Hier beginnt es.

Oliver Klemm
Oliver Klemm
Oliver ist Mitgründer von ZukunftsPfad® und begleitet Menschen dabei, ihre berufliche Zukunft bewusst zu gestalten. Mit Erfahrung aus Transformation, Innovation und der Überzeugung, dass gute Zukunft durch echte Begegnung entsteht.

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