Endlich Urlaub ...

Endlich Urlaub ...

Oliver Klemm
von Oliver Klemm

Warum wir den Urlaub planen und das Leben laufen lassen. Eine Begegnung in Porto.

Hej,

zwischen Anfang Februar und Mitte April haben Melanie und ich viele Stunden in unsere Reise nach Portugal und Galicien investiert. Vorbereitung wohlgemerkt, nicht die Reise selbst. Flüge, Unterkünfte, eine grobe Route von Porto in den Norden, ein paar Restaurants, die wir nicht verpassen wollten. Alles sauber sortiert.

In derselben Zeit hatten wir zusammengerechnet keine fünf Stunden mit der Frage verbracht, wie wir die nächsten drei Jahre eigentlich leben wollen.

Du musst dich nicht ertappt fühlen. Du hast es vermutlich genauso gemacht.

Komisch eigentlich

Wir planen Urlaub bis ins Detail. Wir vergleichen Hotels in mehreren Apps. Wir lesen Restaurantbewertungen, die andere Menschen geschrieben haben, die wir nicht kennen. Wir packen Listen.

Und unser Leben? Läuft. Irgendwie. Im Reaktionsmodus.

Florence Gaub schreibt in ihrem Buch "Zukunft. Eine Bedienungsanleitung", dass wir rund 80 Prozent unserer Zukunftsgedanken für Alltägliches verbrauchen. Arbeit, Haushalt, Termine, To-Dos. Nur ein kleiner Rest bleibt für das, worauf es eigentlich ankommt: wohin du willst, mit wem, wofür.

Das Verrückte: Wir merken es nicht einmal. Weil Urlaubsplanung ein klares Datum hat. Lebensplanung nicht. Weil Urlaub gesellschaftlich erlaubt ist. "Ich nehme mir einen Tag, um über mein Leben nachzudenken" klingt für viele fast peinlich. Weil ein Urlaub sichtbar Geld kostet. Ein Leben, das in die falsche Richtung läuft, kostet auch. Nur unsichtbar. Bis es zu spät ist.

Tagträumen und planen, beides

Damit das hier nicht zur nächsten Predigt wird: Ich rede nicht von Lebensplänen mit Excel und Fünfjahres-Meilensteinen. Das ist nicht der Punkt.

Gaub sagt etwas sehr Kluges. Wir brauchen für ein gutes Zukunftsbild zwei Dinge gleichzeitig: das Tagträumen und das Planen. Wer nur träumt, kommt nicht los. Wer nur plant, baut sich ein Leben, das aussieht wie ein gut sortierter Aktenordner.

Die meisten Menschen, die ich kenne, sind in einer der beiden Hälften zu Hause. Die einen warten auf den richtigen Moment. Die anderen optimieren sich durch ihren Kalender. Beides bleibt halb.

Mariana

In Porto sind wir bei Mariana untergekommen. Sie und ihr Mann Pedro betreiben dort die Na Travessa Suítes, eine wunderschön kleine Oase mitten in der Altstadt. Nur ein paar Zimmer, aber nach dem Tritt über die Schwelle landet man in einer anderen Welt.

Na Travesa


Wir waren dort drei Nächte zu Gast, und es hat sich angefühlt wie nach Hause kommen. Hinterher auf der Weiterreise haben wir noch ein paar Mal mit Mariana hin und her geschrieben. Unsere Neugierde war geweckt.

Mariana und Pedro hatten 2007 in Porto ein 500-Quadratmeter-Haus gekauft. Damals war Porto, in ihren eigenen Worten, "a city with falling buildings", nach sieben Uhr abends praktisch leer. Kein Tourismus-Hotspot, kein Investment-Tipp, kein Geheimtipp. Eine Stadt, in die niemand wollte.

Sie haben es trotzdem gemacht. Nicht naiv, nicht idealistisch. Sondern mit einem klaren Bild davon, was sie aus diesem Haus machen wollten: ein Zuhause für sich und sechs Zimmer für Gäste, damit es sich rechnet.

Sie waren damals erst die zweite Guesthouse in Porto.

Fünfzehn Jahre später sind wir in ihren Na Travessa Suítes gelandet. Klein, mittendrin, mit viel Liebe umgebaut. Und Mariana schrieb uns nach unserem Besuch den Satz:

"The future emerges when relationships succeed."

Die Zukunft entsteht, wenn Beziehungen gelingen.

Sie sagt das nicht als Floskel. Sie sagt das, weil sie etwas aufgebaut hat. Stein um Stein, Gast um Gast, Gespräch um Gespräch. Sie und Pedro haben ihr Leben mit derselben Hingabe und Leidenschaft geplant, mit der andere ihren nächsten Urlaub planen. Nur eben über viele Jahre hinweg.

Was uns das zeigt

Du musst nicht in Porto eine Pension eröffnen. Das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist: Mariana und Pedro hatten damals etwas, was die meisten Menschen, egal in welchem Alter, nicht haben. Ein konkretes Bild. Eine Richtung. Eine Antwort auf die Frage, wofür sie morgens aufstehen.

Du brauchst dieses Bild nicht über zwanzig Jahre zu bauen. Aber du brauchst es überhaupt erst einmal.

Und wenn du ehrlich bist: Wann hast du das letzte Mal richtig darüber nachgedacht? Nicht zwischen Tür und Angel. Nicht beim Joggen, wo du gleich wieder abgelenkt bist. Sondern mit der gleichen Konzentration, mit der du dieses Jahr deinen Urlaub geplant hast.

Eine Szene am Strand

Am Tag, als wir Porto verließen, fuhren wir weiter nach Norden. Atlantikküste, leere Strände, Wind. Ich habe Melanie gefilmt, während sie am Wasser entlangläuft. Ich bin einmal um sie herumgegangen, mit der Kamera mit. Sie ging einfach weiter. Die Wellen, die Spiegelung im nassen Sand, der Horizont.

Eigene Wege gehen

In dem Moment habe ich gedacht: Das hier ist Urlaub. Aber das, was sich gerade gezeigt hat, ist mehr. Es ist eine Frage. Wohin gehst du eigentlich gerade? Und in welchem Tempo?

Die Einladung

Wenn du diesen Sommer in den Urlaub fährst: Plane ihn. Buche die Flüge (oder noch besser die Züge), sortiere die Hotels, freu dich auf die Restaurants. Tu es mit derselben Hingabe wie immer.

Aber gib deinem Leben vorher zwei Stunden. Nur zwei. Und überlege dir, wie deine gute Zukunft aussehen könnte und was du selbst dafür tun kannst.

Und wenn du das lieber im Gespräch tust als allein vor einem leeren Blatt: Komm zu einem unserer Campfire-Abende.

Kein Coaching, kein Vortrag. Echte Gespräche am Feuer mit Menschen, die auch gerade schauen, was als Nächstes dran ist. Mehr dazu auf zukunftspfad.com/campfire.

Auf eine gute Zukunft,

Oliver


Quellen: Florence Gaub, "Zukunft. Eine Bedienungsanleitung", dtv 2023. Mariana und Pedro Loureiro, Na Travessa Suítes, Porto, www.natravessa.com.

Oliver Klemm
Oliver Klemm
Oliver ist Mitgründer von ZukunftsPfad® und begleitet Menschen dabei, ihre berufliche Zukunft bewusst zu gestalten. Mit Erfahrung aus Transformation, Innovation und der Überzeugung, dass gute Zukunft durch echte Begegnung entsteht.

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